Gabriele von Ehrenfeldt

Portrait Gabriele von Ehrenfeldt Gabriele von Ehrenfeldt

Schreiben. Die Welt und die Menschen von einem Ende des Gehirns und wieder zurück wälzen und entäußern: Warum tun die Menschen, was sie tun? Das Gültige im Banalen sehen. Anerkennen von Begebenheiten, von Personen. Erkennen. Erinnern.

Die Großen Romane schrumpfen schon früh zu Erzählungen; die ausschweifende, wiederholende ist nicht meine Form, ich konzentriere mich auf Geschichten, die ich gesammelt habe, großteils ,,wahre Geschichten", die ich als praktizierende Pädagogin und neugieriger Mensch beobachten konnte, die mir erzählt wurden, die sich ergaben – wahr jedenfalls bis zu einem bestimmten Punkt, dann ändert sich die Richtung, die pädagogische Frage verkehrt sich und bleibt dennoch die gleiche: Warum tun die Menschen nicht, was sie nicht tun? (Sie sind wohlerzogen, sie verletzen und töten einander und sich selbst nur selten, sowohl im körperlichen wie auch im seelischen Sinne.) Das fiktive Ende auf losen Blättern oder in den schwärenden Ideen in meinem Kopf ergibt sich durch Extrapolation der Geraden zwischen dem Ausgangspunkt (in einem Kontinuum des Lebens definiert) und jenem Punkt, an dem die Geschichte im Roman der Wirklichkeit die Kurve kriegt.

Die ungleichen Freunde Wolgrath und Soares, die Entwicklung ihrer unkonventionellen Freundschaft, die Verbindung mit dem Kommissar Peter Mehrfeldt und die Beziehungen in ihrem Umfeld fügen sich in die Fälle ein, nehmen ihnen die Tragik, bringen Humor und Lust ins Leben, Essen, Trinken, Reisen, Lieben, Streiten.

Tübingen? Es ist so gut wie jeder andere Punkt in Europa, in der Welt, eine Basis, ein Ausgangspunkt, von dem jeder Strahl in die Welt führt. Und es ist verosimile. Immerhin leben wir hier, Wolgrath, Soares, die anderen und ich, die ich lediglich ihre Geschichte erzähle.

Meine Hirnbrut ist flügge geworden, sie tut, was sie will, und diktiert mir, was zu schreiben sei. Und das ist gut so. Ich möchte jedoch noch eine gute Weile bei ihnen bleiben und ihnen zusehen, wenn sie ,,ihre Fälle" lösen in Lissabon, Dublin, Venedig, Santorin und, warum nicht?, in New York oder Tasmanien.

Wenn sie einmal verschwunden sind, verschollen, dann kann ich mich wieder den losen Blättern in der Schublade und den Ideen zuwenden, die in meinem Kopf schwären und sich zu weiteren Erzählungen und Geschichten fügen – so die Zeit meine Freundin sei.